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PTBS

Spätfolgen von Gewalt
 

Was ist eine Posttraumatische Belastungsstörung?
Eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) oder auch post traumatic stress disorder (PTSD) ist laut Definition eine verzögerte und lang anhaltende Reaktion auf mindestens ein traumatisches Erlebnis. Diese Reaktion ist durch intensive Angst, Gefühlen von Hilflosigkeit und Entsetzen gekennzeichnet.
Das belastende Erlebnis ist in der Regel mit einer möglichen Bedrohung verbunden, so zum Beispiel im Rahmen von körperlicher Gewalt, Naturkatastrophen oder Krieg. Dabei spielt es keine Rolle, wie lang die traumatische Situation angehalten hat. Auch Personen, die nicht unmittelbar bedroht waren, die aber Augenzeuge des Geschehenen waren, können eine posttraumatische Belastungsstörung entwickeln.
Die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) zeigt die ersten Symptome in der Regel mit einer Verzögerung von einigen Wochen bis hin zu mehreren Monaten nach dem belastenden Erlebnis. Es kann sogar sein, dass Jahre vergehen, bis die Symptome einer PTBS auftreten. Die posttraumatische Belastungsstörung kann Folge einer akuten Belastungsreaktion sein. Dauert diese Phase länger als vier Wochen an, kann der Arzt die Diagnose posttraumatische Belastungsstörung stellen.
Die Symptomatik im Rahmen einer PTBS ist individuell verschieden.

Eine posttraumatische Belastungsstörung zeigt jedoch meist Symptome wie:
Erinnerungssymptome (Intrusionen):
Der Betroffene durchlebt die traumatische Situation immer wieder, zum Beispiel durch sich aufdrängende Gedanken, sogenannte Intrusionen.
Dissoziation:
Dissoziation heisst Abspaltung. Die Dissoziation kann unterschiedliche Bewusstseinsbereiche betreffen: bei der Amnesie wird die Erinnerung abgespalten; man spricht von Depersonalisation, wenn die Selbstwahrnehmung abgespalten wird. Bei der Derealisation verändert sich die Wahrnehmung der Umgebung und der anderen Menschen.
Flashbacks:
es treten plötzlich albtraumartige Bilder oder Eindrücke des Ereignisses in Erinnerung. Bei einem Flashback fühlt und handelt der Betroffene so, als ob er das Geschehene erneut durchlebt. Zudem kann eine posttraumatische Belastungsstörung mit sehr intensiven Albträumen, Tagträumen und Ängsten verbunden sein, aber auch mit partiellen oder vollständigen Erinnerungslücken, die den Menschen sehr belasten. Häufig wiederholen sich im Rahmen einer posttraumatischen Belastungsstörung ähnliche Träume immer und immer wieder, und der Betroffene wacht schweissgebadet davon auf. Der Betroffene hat nicht das Gefühl, dass das Ereignis vorbei ist, sondern fühlt sich, als würde er es immer noch durchleben. Manche Betroffene sind überzeugt davon, sie seien selbst schuld an dem, was ihnen wiederfahren ist. Sie sind nicht in der Lage, ihre belastenden Gedanken zu unterdrücken.
Vegetative Übererregung (Hyperarousal): Obwohl das Erlebte längst vorbei ist, hält das Gefühl der Bedrohung weiter an. Der Betroffene befindet sich in einem Zustand vegetativer Übererregung, einer ständigen erhöhten Wachsamkeit, welche auch als Hyperarousal bezeichnet wird. Es treten Symptome wie Schlafstörungen, Reizbarkeit, Schreckhaftigkeit, Zittern, Ängste und Konzentrationsstörungen auf.
Emotionale Betäubung und Vermeidung: Der Betroffene versucht, inneren und äusseren Reizen zu entfliehen, um sich zu schützen. Er zieht sich aus dem sozialen Leben zurück und zeigt kein Interesse mehr an Dingen, die ihm vorher Freude bereitet haben. Er wirkt gleichgültig, lustlos und teilnahmslos. Menschen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung vermeiden Situationen, die in irgendeiner Form an das Trauma erinnern könnten (sog. Stimuli).
Eine posttraumatische Belastungsstörung führt häufig auch zu Erschöpfung, Depression, Suizidalität.
In manchen Fällen kann das Trauma so schwer sein, dass es zu Persönlichkeitsveränderungen oder Persönlichkeitsstörungen kommt. Man spricht dann von einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung.
Bei Kindern kann sich eine posttraumatische Belastungsstörung auch durch Symptome wie Verhaltensauffälligkeiten bemerkbar machen. So kann es beispielsweise zu aggressivem Verhalten kommen, oder auch zu Mustern, bei denen das Kind die traumatische Situation immer wieder nachspielt.
Die Betroffenen durchleben die traumatische Situation in Gedanken immer wieder, so zum Beispiel in Form von sich aufdrängenden Erinnerungen oder Albträumen.
Wenn eine PTBS dazu führt, dass sich die Persönlichkeit des Betroffenen tiefgreifend verändert, spricht man von einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung.

Häufigkeit der PTBS
Über die Häufigkeit der posttraumatischen Belastungsstörung gibt es unterschiedliche Angaben. Schätzungen zufolge erkranken zwischen zwei und sieben Prozent der Allgemeinbevölkerung einmal in ihrem Leben an einer PTBS. Eine posttraumatische Belastungsstörung tritt insbesondere nach Erlebnissen wie sexualisierter Gewalt, Vergewaltigung, anderen Gewaltverbrechen und Krieg auf.
Auch nach Verkehrsunfällen und schweren Erkrankungen, wie etwa Krebs oder einem Herzinfarkt, kann eine posttraumatische Belastungsstörung entstehen. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer.
Eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) kann viele Ursachen haben. Als Ursachen kommen jedoch immer traumatische, sehr belastende Ereignisse infrage, wie zum Beispiel:
- sexualisierte Gewalt, Vergewaltigung,
- körperliche Gewalt, Folter, Gefangenschaft,
- Krieg,
- Terroranschlag,
- Naturkatastrophen, z.B. Erdbeben,
- Unfälle,
- eine ernstzunehmende Erkrankung (z.B. Krebs),
Nicht jeder Mensch, der eine ungewöhnlich belastende Situation durchlebt, erkrankt in der Folge an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Vielmehr spielen auch andere Einflüsse und Ursachen eine Rolle, so zum Beispiel vorangegangene traumatische Erfahrungen oder genetische Einflüsse. Generell erkranken eher Personen, die psychisch nicht sehr belastbar sind, jedoch können auch psychisch stabile Menschen eine PTBS entwickeln. Frauen bekommen häufiger eine posttraumatische Belastungsstörung als Männer. Auch das Alter ist ein wichtiger Risikofaktor für die Entstehung einer PTBS: tritt die Belastung in jungen Jahren auf, steigt die Wahrscheinlichkeit, zu erkranken.

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