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Dissoziative Identitätsstörung und Dissoziation

Spätfolgen von Gewalt
 

Dissoziative Identitätsstörung (multiple Persönlichkeitsstörung):

Die dissoziative Identitätsstörung (früher: multiple Persönlichkeitsstörung) kann man durchaus als historisches Störungsbild bezeichnen: Schon im 19. Jahrhundert waren unter Psychiatern sogenannte gespaltene oder multiple Persönlichkeiten über Jahrzehnte eins der meistdiskutierten Probleme. Der Psychiater Pierre Janet (1859-1947) war in der Fachwelt der Erste, der für die Auflösung und Aufspaltung des Bewusstseins in verschiedene Teile den Begriff "Dissoziation" verwendete und diesen Prozess auf traumatische Erfahrungen zurückführte.
In der Folge geriet die Idee der Dissoziation zeitweise in Vergessenheit und kam erst im Lauf des 20. Jahrhunderts wieder auf.

Manchen Menschen passiert es, dass sie sich plötzlich an einem unbekannten Ort wiederfinden oder in ihrem Kleiderschrank fremde Kleidungsstücke hängen. Wenn solche oder ähnliche Erinnerungslücken und merkwürdigen Begebenheiten nicht auf die direkte körperliche Wirkung von Substanzen (wie Alkohol) oder Krankheiten zurückzuführen sind, können sie Anzeichen für eine dissoziative Identitätsstörung (DIS) sein, auch bekannt als multiple Persönlichkeitsstörung (MPS).
Die dissoziative Identitätsstörung bezeichnet das Vorhandensein von zwei oder mehr unterscheidbaren Identitäten oder Persönlichkeitszuständen, die wiederholt die Kontrolle über das Verhalten der betroffenen Person übernehmen. Eine multiple Persönlichkeit kann sich oft nicht an wichtige persönliche Informationen erinnern, weil die Identität, die den Großteil des normalen Alltags bestreitet, sich der weiteren Identitäten oft nicht bewusst ist. Die für eine multiple Persönlichkeitsstörung kennzeichnenden Teilidentitäten unterscheiden sich nicht nur beispielsweise in ihren Namen, Vorlieben und Verhaltensweisen voneinander, sondern können auch physiologische Unterschiede zeigen: So kann beispielsweise eine Teilpersönlichkeit eine Allergie aufweisen, während eine andere an Asthma leidet.

Die dissoziative Identitätsstörung stellt eine Art Schutzmechanismus dar: Als Ursache für die Aufspaltung in zwei oder mehr Teilidentitäten gilt wiederholt erlittene Gewalt in der Kindheit. Die multiple Persönlichkeitsstörung ist also als Versuch mit dem erlebten Trauma zurechtzukommen: Die Betroffenen trennen das reale Geschehen vom Bewusstsein ab. Im Erwachsenenalter ist die multiple Persönlichkeit bei der Bewältigung des Alltags jedoch hinderlich, sodass die Betroffenen immer mehr darunter leiden.
Die multiple Persönlichkeitsstörung tritt meist zusammen mit anderen Symptomen auf, wie z.B. Depression, Aggressionen, oder selbstverletzendem Verhalten. Dies bewirkt häufig Fehldiagnosen.

Der Begriff dissoziieren bedeutet trennen oder auflösen. Dissoziation bezeichnet den Prozess, in dem man Teile des Erlebten von anderen inhaltlich trennt, wenn das Erlebte ein Übermaß an Angst, Schmerz oder Trauer verursacht.

Viele Menschen setzen umgangssprachlich multiple Persönlichkeitsstörung und Schizophrenie gleich. Die Symptome überschneiden sich zwar teilweise, dennoch unterscheiden sich die beiden Störungen aber deutlich voneinander: So wie viele Menschen mit Schizophrenie, kann auch eine multiple Persönlichkeit "Stimmen im Kopf" hören. Schizophrene empfinden diese Halluzinationen als real, während sich die multiple Persönlichkeit ihrer Trugwahrnehmung meist bewusst ist. Für die Schizophrenie wiederum sind – anders als für die dissoziative Identitätsstörung – keine schwerwiegenden Gedächtnisstörungen kennzeichnend. Menschen mit einer dissoziativen Identitätsstörung sprechen nicht auf dieselben Medikamente an, die in der Behandlung von Schizophrenie zum Einsatz kommen.

Die dissoziative Identitätsstörung (multiple Persönlichkeitsstörung) tritt mit einer Häufigkeit von etwa 0,5 bis 1 Prozent auf. Dabei sind Frauen etwa 9-mal häufiger als Männer betroffen.

Grundlage für die dissoziative Identitätsstörung bildet ein, in der frühen Kindheit erlebtes, schweres Trauma. Dieser Zeitpunkt gilt als Beginn der Aufspaltung in verschiedene Persönlichkeitsanteile. Die betroffenen Kinder sind vermehrt Gefahr und Erniedrigung ausgesetzt, und können diesen nicht entfliehen. Da es sich bei den Tätern zumeist um nahe Angehörige handelt, die drohend fordern, nicht über das Erlebte zu erzählen, rufen die Kinder nicht um Hilfe. Um diese Situation überhaupt überstehen zu können, trennen die Betroffenen das reale Geschehen vom Bewusstsein ab und "denken" sich so aus der Situation hinaus. So entsteht die multiple Persönlichkeitsstörung. Dieser Prozess geschieht unbewusst und lässt sich nicht steuern. Um die wiederholte Traumatisierung überstehen zu können, spalten sich die Betroffenen in zwei oder mehr Identitäten auf: Jede Identität übernimmt bestimmte Funktionen in den jeweiligen Situationen, und kann in einer ähnlichen Situation wieder zum Vorschein kommen.

Michael Huber:
"Eine multiple Persönlichkeit wird man nur unter sehr bestimmten Umständen. Man muss sehr früh sehr lange sehr vielen seelischen, körperlichen und sexuellen Qualen ausgesetzt gewesen sein, ohne dass es auch nur eine einzige sichere Bindungsperson in der Nähe gab. Nur dann wird das Gehirn vielleicht dieses Kunststück fertigbringen, statt einem Selbst viele Zustände und viele "Ichs" herzustellen; statt einer Persönlichkeit viele "Personen" und "Leute im Innern" entstehen zu lassen." (aus: "Viele sein - Ein Handbuch", von Michaela Huber)

"Die ihre Gefühle spalten" (Artikel)
http://www.psychologie-heute.de/news/emotion-kognition/detailansicht/news/die_ihre_gefuehle_spalten/


Multiple Persönlichkeitsstörung, Dissoziative Identitätsstörung

Quelle: Medicine- WorldWide
- Allgemeines,
- Grundlagen und Ursachen,
- Häufigkeit,
- Symptome,
- Diagnose,
- Verlauf,
- Therapie,
- Prognose,
Hier der ganze Artikel:  
http://spiritsofsurvival.opfernetz.de/multiple_persoenlichkeit.htm

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